Boxkarriere


Ankunft in Deutschland und Karriere als Profi-Boxer

Ich war also Junior Champion, aber ich hatte kein Zuhause, keine Papiere und kein Geld. Ich lebte in einer Gegend, in der fast nur Fremde lebten und wo die Kinder auf der Straße mit Drogen dealten. Im Fernsehen sah ich eines Tages Henry Maske und all die anderen zu dieser Zeit erfolgreichen Boxer aus Deutschland. Also packte ich einfach meine Siebensachen zusammen und machte mich auf nach Deutschland.

Die erste Stadt auf meinem Weg war Köln. Ich hatte kaum Geld, keine Unterkunft und kannte niemanden. Ich schlief überall, wo ich Leute fand, die ihren Platz mit mir teilten, und aß, was andere übrig ließen. Eines Tages hatte ich eine Art Eingebung und beschloss, nach Frankfurt zu fahren. Mit meinem allerletzten Geld kaufte ich mir also ein One-Way-Ticket nach Frankfurt. Noch in derselben Nacht fand ich dort jemanden, der mir einen Schlafplatz zur Verfügung stellte. Aber ich hatte noch immer keine Papiere und musste Asyl beantragen, so dass ich wieder zurück nach Köln geschickt wurde, wo ich dann eine Zeitlang lebte – auf einem Schiff an der Deutzer Brücke.

Später wurde ich in eine Militärbaracke in Düren und von dort weiter nach Frechen geschickt, wo ich mit Obdachlosen und Alkoholikern zusammenlebte. Dort, in der Unterkunft der Heimatlosen, wurde mir erneut klar, dass es mich, genau wie meine Mutter, mit Freude erfüllte, denen, die die Hoffnung bereits verloren hatten, etwas Unterstützung geben zu können. Dort wurde die Idee geboren, in naher Zukunft mit schwachen Menschen, insbesondere mit Kindern, zu arbeiten.

Jerry-fight-ring


Start als Profi-Boxer

Von meinem Ziel, ein professioneller Boxer zu werden, war ich noch weit, weit entfernt. Aber ich gab nie auf und hielt mich fit so gut es ging. Es war das Jahr 1997. Ich war 21 und wohnte in einem Asylantenwohnheim, als ich einen Anruf vom Kölner Boxstall Sauerland Promotion bekam: Einer ihrer Boxer war krank geworden und sie brauchten einen Ersatzmann für einen Kampf in der Sartoryhalle, der schon am nächsten Tag stattfinden sollte. Also trat ich spontan an. Eigentlich hätte mich meine Vernunft von diesem Kampf abhalten sollen, denn erst eine Woche vorher hatte ich eine Operation an meinem Knie, die eigentlich noch nicht ausgeheilt war. Vor dieser Zeit hatte ich keinen Trainer, sondern versuchte nach der Arbeit für mich alleine zu trainieren und mich so fit zu halten. Aber entgegen aller gut gemeinten Ratschläge von Freunden und Bekannten sagte mir mein Gefühl, dass ich mich dieser Herausforderung stellen musste und kämpfen würde. Obwohl ich Angst vor dem Kampf hatte und davor, wie er ausgehen würde, hatte ich andererseits nichts zu verlieren. Und der Mut hatte sich gelohnt.

Jerry-fight-win

Meine Zeit bei Sauerland Promotion

Ich wurde damals als Außenseiter gehandelt, da mein Gegner zehn Kilo schwerer war als ich und darüber hinaus sehr viel mehr Kampferfahrung hatte. Trotzdem konnte ich ihn in der vierten Runde durch K.O. besiegen. Dieser Sieg beeindruckte das Sauerland-Team. Ich bekam noch eine Chance, mich zu beweisen, und kämpfte kurz darauf gegen Andy Liebling aus Deutschland. Da ich nun besser vorbereitet war, konnte ich meinen Gegner bereits in der ersten Runde besiegen. 1998 bekam ich vom Sauerland-Team meinen ersten Profivertrag. Während meiner Zeit bei Sauerland wurde ich österreichischer Meister, gewann den WBC-International-Titel sowie den IBF-International-Titel. Nach vielen Profikämpfen  (LINK zu BoxRec: BoxRec: Jerry Elliott) stand der Weltmeistertitelkampf unmittelbar bevor, ich musste mich mit nur noch einem Kampf dafür qualifizieren. Bei einer ärztlichen Untersuchung vor diesem Kampf wurde ein Herzfehler bei mir fest, der mich für den Kampf untauglich machte. Ich entschied mich für eine medikamentöse Therapie und verfolgte weiter mein Ziel, Box-Weltmeister zu werden.

Jerry-fight-end


Krankheit und Karriereende

2003 kämpfte ich gegen Evans Ashira um den WBA-International-Titel. Don King war sein Manager, so dass das öffentliche Interesse an unserem Kampf groß war. Der Gewinner sollte dann gegen den damaligen Meister Bernard Hopkins kämpfen. Vor dem Kampf hatte ich das Gefühl, dass etwas nicht stimmte, aber ich war nicht sicher, was es war. Ich verlor den Kampf nach Punkten. Später wurde mir klar, dass Geld geflossen sein musste zwischen Don King und dem Schiedsrichter.

Mit dem Kampf hatte ich auch meinen Vertrag verloren.